Donnerstag, 6. November 2008

Regionale Tourismusplanung auf Bali

Voellig unerwartet sprach uns ein Dozent auf unserem Campus an, ob wir nicht mit ihm und anderen Dozenten in das kleine Dorf Songan am See Batur fahren wollten, um mit der lokalen Bevoelkerung das Tourismuspotential und die Entwicklungsmoeglichkeiten ihres Dorfes zu besprechen. Ja klar dachten wir und sassen einige Tage spaeter mit 3 Dozenten in einem Toyota Kijang und fuhren durch die Berge zum Kratersee. Bis jetzt hatte ich diesen nur im Vorbeifahren von oben gesehen, wo einem die Schoenheit der Landschaft nicht sooo direkt ins Auge sprang. Faehrt man aber die kurvige Strasse zu dem See herunter, ergeben sich irre Landschaftsbilder und ausgefallene Steinformationen. Da der Vulkan Gunung Batur vor 30 Jahren das letzte Mal ausgebrochen war, sieht man noch heute genau die Spur der Lavastroeme, die sich in den See und die Umgebung ergossen. Die Balinesen haben dann mal einfach eine neue, sehr wendige Strasse und Haeuschen drauf gebaut, aber die schwarzen Gesteinformationen, die mit vertrocknet-gelben Graesern bewachsen sind, sehen schon so richtig anders aus. Wir fuhren immer weiter am Ufer des Sees entlang, bis zum "letzten Dorf" vor der Felswand. Dort erwarteten uns schon die Dorfvorsteher von Songan A und Songan B, sowie einige andere Leute, die wohl mit Tourismus zu tun hatten, oder zumindest Ahnung hatten. Wir setzten uns alle auf Matten auf den Boden, es wurde vorher nicht vorhandener Strom in den Raum gelegt, um den Beamer betreiben zu koennen und nach einer kurzen Vorstellung unserer Profs und Begruessung durch die Dorfvorsteher (in brauner Uniform) gings nicht los, nein: es wurde ersteinmal gegessen.... balinesische Reis-Snacks im Bananenblatt und so. Nun sassen also Alle auf dem Boden, die Vortraege unserer Profs begannen und das Publikum: verschlang die Snacks, rauchte, pulte sich in der Nase oder im Mund herum, telefonierte mit dem Handy, lass Zeitung oder/und hoerte zu. Vor allem aber den Blick dabei auf den Boden oder an die Seitenwaende gerichtet, Redner werden hier nicht direkt angesehen. Sandra und Ich fanden das ja alles hoechst interessant zu beobachten, verstehen konnten wir leider nur Bruchteile. Nach der Powerpoint-Praesentation war dann die "Diskussionsrunde" eroeffnet, was hier aber so viel bedeutet wie: jeder traegt langsam und in Ruhe seine Meinung vor, raucht noch eine und hoert dann ruhig, telefonierend oder zeitunglesend den Anderen zu. Vorherige Meinungen wurden nicht kritisiert oder auf diese direkt eingegangen. Am Ende einigten sich die Anwesenden - so weit wir verstehen konnten - ersteinmal auf eine nachhaltige Tourismusentwicklung mit Ausrichtung auf mehrere Zielmaerkte, in deren Sprachen dann auch Websites und Beschilderung entstehen sollen. Von Sandra und Mir erwartete man dann gleich die Vermarktung des touristischen Potentials des Dorfes in Deutschland.... aeh, ja. Um uns dieses Potential noch zu zeigen, wurden wir spontan von 2 Anwesenden eingeladen jetzt sofort auf Mofas auf den naechsten Berg zu fahren, um von dort die wohl einmalige Aussicht geniessen zu koennen. Unsere Dozenten stimmten zu mit dem Versprechen auf uns zu warten und so ging es fuer uns steil bergauf, immer den Berg hinauf, doch ich musste allerdings meistens absteigen, weil das Mofa meines "Guides" die Steigung nicht bewaeltigen konnte. Um so ueberraschter waren wir, also wir wirklich ein touristisches Potential des Dorfes entdeckten. Vom Berg aus gab es eine unglaubliche, einmalige Aussicht, denn mit einem Blick hatte man auf der linken Seite das Meer mit Sicht auf die Kueste, die langsam ansteigenden Berghaenge bis hin zum hoechsten Berg Gunung Agung. Auf Berghoehe sozusagen, fiel die Landschaft dann in den wunderschoenen Bergsee ab, nur um auf der anderen Seite wieder auf den Vulkan Gunung Batur anzusteigen. Mit einem Blick hatte man also Meer, Kueste, Waelder, Berge, Bergseen, Vulkane und wolkenverhangene Kulisse - wirklich nicht so schlecht (ihr muesst euch die folgenden Fotos nebeneinander vorstellen).

Zusammen mit den heissen Quellen des Nachbarortes, auf die die Japaner ja so stehen und dem Angebot an Fahrrad- oder kombinierten Trekking- und Bootstouren, koennte das hier wirkich was werden. Haetten wir ja zu Anfang echt nicht mit gerechnet...

Auf dem Rueckweg gingen wir dann noch mit unseren Dozenten essen, stoppten bei einem tollen Reisterrassen-Panorama und besuchten die Mutter der einen Dozentin in Ubud, die hier vor ueber 30 Jahren den ersten Homestay der Stadt aufgebaut hatte, von denen es mittlerweile unzaehlige gibt, und die wohl die Hauptunterkunftsmoeglichkeit der individuell Reisenden darstellt. Lebendige Tourismusgeschichte quasi.
So war es fuer uns zwar ein echt langer Tag ( von 7:30 bis 18:30), aber dafuer hat sich dieser Ausflug mal so richtig gelohnt!

Und wie ihr seht: wir studieren hier auch wirklich und sind nicht nur am Rumreisen und Feiern!
*** We were invited to attend a meeting about tourism potentials and possible sustainable tourism development in a small village in the mountains of Bali, that our lecturers are working on. After the meeting some of the people of the village showed us the great view that they want to market. We drove up a hill from were it was possible to see the sea, the coastline, the mountains, a lake and the vulcano Batur with just one view. It was truely beautiful.***

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