Samstag, 27. Juni 2009

Javanesische Traumhochzeit von Gema und Wishnu

Gema ist einer unserer ersten Freundinnen hier in Jakarta gewesen. Wir trafen Gema und ihre Schwester schon im November, als wir das erste Mal nach Jakarta kamen, nur zu Besuch, auf unserer Java-Rundreise. Seitdem und besonders seit wir in Jakarta gewohnt haben, sind wir natuerlich in Kontakt geblieben, und haben uns immer mal wieder zum Essen oder Feiern getroffen. Gema war schon eine ganze Zeit mit Wishnu zusammen, und so entschlossen sich die beiden dann zu heiraten. Beide sind jeweils die erstgeborenen Kinder von grossen, recht traditionellen javanischen Familien, weswegen von Anfang an feststand: Die Hochzeit muss auf aeusserst traditionelle Weise stattfinden. Und so war es dann auch. (Und wie ihr seht tragen selbst Nancy und Ich das traditionelle javanische Kostuem "Kabaya" und fallen in der Menge fast gar nicht mehr auf.)

Die ersten Zeremonien fanden am Freitag nachmittag, gleichzeitig im Hause des Braeutigams und der Braut statt. Wir fuhren natuerlich zum Haus der Braut. Die Familien hatten sich vorher Kleidungsfarben ausgesucht, die die jeweiligen Zeremonien dominieren sollten. So war die erste Farbe hellgruen (siehe Foto). Vater und Mutter nahmen - immer unter Anleitung einer Moderatorin- verschiedene Schritte der Zeremonie vor. So wurden zum Beispiel Gema's Haare ueber einer Traenke im Garten gewaschen und von diesen spaeter ein Stueck abgeschnitten. Das gleiche passierte im Haus des Braeutigams am anderen Ende der Stadt und die Haarstraehnchen werden dann zum jeweils anderen Haus gebracht und jeweils die Haare von beiden zusammen in die Erde gepflanzt. Ein grosses Ereignis auf das alle gespannt warteten. Im Anschluss wird ein traditionelles gruenliches, suesses Milchgetraenk an die Gaeste verteilt, frueher verdienten sich die Brauteltern damit wohl ein bisschen Geld nebenbei, so eine Hochzeit kostet schliesslich. Danach wurde zu Kaffee, Tee und Gebaeck geladen. Und da wir ja in Indonesien, im Land der talentiertesten Musiker sind, wurde am Rande der Veranstaltung auch Karaoke betrieben, natuerlich ohne, dass sich auch nur ein Familienmitglied blamiert haette, alle haben hier einfach tolle und tonsichere Stimmen. Fuer die anschliessende Zeremonie wurde die braut mehrere Stunden neu geschminkt und gestaltet, die Familienfarbe wechselte zu rosa. Das letzte Mal in ihrem Leben, wurde die Braut gegen Abend im Wohnzimmer ihrer Eltern mit traditionellem Essen gefuettert, bevor diesem am naechsten Tag der frischgebackene Ehemann uebernehmen wuerde. Fuer alle eine sichtlich emotionale Veranstaltung. Nach ca. 4 Stunden verabschiedeten wir uns dann, der letzte Teil des Abends wuerde im engsten Familienkreise stattfinden und zwar das offizielle Kennenlernen der Familien. Dazu kommt die Familie des Braeutigams - selbstverstaendlich in einer anderen Familienfarbe gekleidet- zum Haus der Braut und man isst zusammen. Die Braut muss jedoch meist im "Hochzeitszimmer" verweilen, wo sie von seinen Verwandten neugierig begutachtet und geloechert wird, waehrend der Braeutigam draussen bleiben muss und wohl auch nichts zu Essen bekommt.

Am naechsten Tag fanden dann ab nachmittags wichtige weitere traditionelle Zeremonien wie das "Eierzertreten" statt, diesmal aber schon im riesigen Festsaal eines Kongresszentrums. Auch hierzu war ausschliesslich traditionelle Kleidung angesagt, die im Verlaufe des Abends, auch oft von den Gaesten, gewechselt wird. Damit auch alles schoen einheitlich ist, laeuft das ganze hier in Indonesien (zumindest bei wohlhabenderen Familien) naemlich so: es wird mal wieder eine Farbe gewaehlt - diesmal dunkelrot - und jeder Gast der engeren Familie bekommt 1 x 2 Meter Stoff in der besagten Farbe mit der Einladung geschickt, die er sich dann in eine Kabaya oder ein Gewand im gewuenschten Design schneidern lassen kann. Dieses ergibt hunderte verschiedener Designs, Stoff und Farbe ist jedoch gleich.
Zum Zwecke des waehrend der Veranstalltung Umziehens wird ein extra Schmink- und Umkleideraum, naja, eher Saal eingerichtet, wo alle Leute ihre (zweiten) Outfits lagern. Denn was uns sehr ueberraschte: man (bzw. die Familie) kommt nur selten so wie wir schon komplett angezogen und gestylt zu einer Hochzeit, neeeeeeeeeeein, nicht doch. Man kommt wie ausm Bett gefallen, in Jeans und voellig verknittert in den Umkleidesaal gelatscht, dreht dann aber so richtig auf! Es wird gezerrt, geschnuert, gezupft und geschminkt und schon verlassen alle Gaeste als voellig andere Menschen den Umkleidesaal. Mit perfekter Frisur, perfekter Kleidung und perfektem Make-up. Und weil sich Nancy und Ich nach der Eiertretzeremonie noch ein wenig underdressed, bzw. -styled vorkamen, verschwanden auch wir zusammen mit Meme in den Umkleidesaal und liessen uns Frisuren- und Makuptechnisch genereralueberholen.

In Indonesien finden am Haupthochzeitsfeiertag immer 2 Teile statt, zu denen man auch getrennt eingeladen wird. Bestimmte Zeremonien sind nur fuer Familie und enge Freunde gedacht. Wir durften uns gluecklich schaetzen und waren zu diesem ersten Teil - wie schon beschrieben - eingeladen. Der zweite Teil ist der Empfang, bzw. "Reception" und dorthin wird jeder eingeladen, den das Brautpaar oder die Eltern irgendwie kennen. In unserem Falle waren es mehr als 1500 (!) Leute. Es kommen also alte Schulfreunde, Studienkollegen, Arbeitskollegen, Nachbarn, Sportvereinsmitglieder usw. und die wollen alle verkoestigt werden. Deswegen laufen diese Empfaenge wie folgt ab: Auf der Einladung ist ein Zeitraum, z.B. 19:00 bis 22:00 Uhr angegeben, kein Zeitpunkt. Das bedeutet, dass das Brautpaar um 19:00 oder kurz danach in den Saal einmarschieren wird (erstmal in Begleitung von Eltern und der ganzen in komplett gleichen Stoffen gekleideten Familie), auf der eigens aufgebauten Buehne Platz nimmt und fuer die naechsten 3 Stunden dort zum Laecheln und Fotos machen bereit steht. Schliesslich wollen alle 1500 (!) Gaeste persoenlich gratulieren. Fuer die Organisation der Gratulation ist meist eine weitere Moderatorin zustaendig, die die Gaeste in etwas homogenere Gruppen einteilt, wie z.B. "Grossfamilie der Mutter der Braut" oder "Arbeitskollegen der Braut von der australischen Botschaft" und diese dann zur Gratulation, sowie zum Gruppenfoto aufruft. Weil Nancy und Ich aber in keine der Gruppen passten, durften wir ein einzelnes Foto mit dem Brautpaar machen. Alle anderen Gaeste, die auf den Gratulationsaufruf warten, oder aber die schon mit der Gratulation fertig sind, duerfen sich dann an dem, in diesem Falle wirklich ausgezeichneten, Buffett mit internationalen Spezialitaeten bedienen. Man ist also eher auf sich selbst gestellt sich zu anderen Leuten zu gesellen und gegessen wird im Stehen. (Irgendwie klar dass 1500 Leute nicht an einem Tisch sitzen...) Ganz besonders freuten wir uns darueber ein indonesisches Paaerchen aus Bremen kennezulernen (siehe Foto), die schon seit 10 Jahren in Deutschland leben.... nun wissen wir also auch schon, wo Nancy und Ich wohl mehrmals im Monat zum Essen hingehen werden, wenn uns mal wieder unser Indonesien-Heimweh plagt...

Die Maenner der Familie tragen uebrigens alle das gleiche javaneschische, in diesem Fall aus der Region Yogyakarta stammende, Outfit aus Batikunterteil, passender Kopfbedeckung und Hemd. Ganz typisch ist es fuer die javanesischen Maenner in ihrem Ruecken ein Kris, ein traditionelles Rundmesser zu tragen, weswegen Javanern auch nachgesagt wird man koenne ihnen nicht vertrauen, wie wir bei Erwin gelernt haben... denn vorne laecheln sie dich quasi an, waehrend sie hinter ihrem Ruecken den Kris ziehen und ihren Gespraechspartner von hinten damit erstechen.... jaja. Wir haben aber durchweg nur sehr friedfertige Javaner kennengelernt ;-)

Und so ging eine lehrreiche Hochzeitsveranstaltung dann langsam zu Ende, mal wieder ein tolles Erlebnis!


*** One of our oldest friends in Jakarta, Gema got married to her fiance Wishnu on this weekend and we were very lucky to be invited to all parts of the 2-day-long ceremony and celebration. Because both, bride and groom, were the first-born children in their families a very traditional Javanese Wedding was held. For this occasion even Nancy and I went to the tailor to get a traditional Kabaya made. It was a wonderful celebration with 1500 (!) guests at the reception, extremly delicious food and a lot of insights into Javanese traditions and customs. Thank you so much for the invitation, Gema and Wishnu!!! ***

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