Sonntag, 30. November 2008

Java 4: Die unglaubliche Schlammloch-Geschichte von Sidoarjo


Auf diesem Fotos sieht man einen Berg. Und ein paar Wolken. Einiges Gruen im Vordergrund und was ist das? Ja genau, das zwischen Berg und Gruen? Eine Wand? Ein Huegel? Fast...
Auf diesem Bild sieht man einen Damm. Warum steht denn bloss ein Damm mitten in Feldern, unweit von vielen Doerfern in schoener Natuerkulisse? Gute Frage, heh? Die Antwort: es ist ein Schlamm-Damm. Was? Was soll das sein? Ja genau: ein Damm der Unmengen von Schlamm davon abhaelt, noch mehr Doerfer und Felder zu vernichten....


Aber wie kommt denn der Schlamm hinter den Damm? Hmm. Dazu die folgende Geschichte einer unglaublichen Umweltkatastrophe von www.spiegel.de:

"Ein beispielloses Spektakel sucht die Insel Java heim. Aus großer Tiefe quellen stinkende Gase und heißer Schlamm. Alle Versuche, die Flut einzudämmen, blieben vergebens. Fabriken, Schulen und Moscheen versanken. Kaum vorstellbar, aber in dieser Gegend des Landkreises Sidoarjo im Osten Javas pflanzten die Bauern noch kürzlich Reis und Zuckerrohr. In kleinen Fabriken stellten Arbeiter Uhren, Schnaps, Möbel und Schuhe her. Die Dörfer bestanden aus engen Gassen und Häuschen aus Stein, Beton oder Holz. Dazwischen bauten die Menschen Bananen an, viele hegten kleine, aber prachtvolle Gärten. Auch die Firma Lapindo Brantas unterhielt hier einen Ableger. Nur 500 Meter von den Wohnhäusern entfernt, ganz legal nach indonesischem Recht, hatte sie einen Bohrturm errichtet. Vor fünf Monaten hatten die Lapindo-Ingenieure ihren Bohrkopf vorgetrieben bis in die "Kunjung-Formation" in einer Tiefe von fast 3000 Metern. Da hofften sie, auf Öl und vor allem auf Gas zu stoßen - so wie es ihnen an 15 Bohrlöchern der weiteren Umgebung schon gelungen war.Vielleicht war das, was dann geschah, ein natürliches Geschehen. Vielleicht offenbarte sich hier schlicht jene Urgewalt der Natur, gegen die Menschen ohnmächtig sind.
Aber viele bezweifeln das. Wahrscheinlicher sei, dass der Bohrer der Firma Lapindo das Unheil angerichtet habe. Leichtfertig habe er irgendwo ganz tief unten eine Wunde ins geologische Gedärm gerissen. Und darum ist die Erde seit dem 29. Mai inkontinent. An dem Tag beschwerten sich die ersten Anwohner über Lapindo. 180 Meter neben dem Bohrturm schoss übelriechender, heißer Schlamm aus der Erde hervor. Die Lapindo-Leute beschieden den Leuten ungerührt, dass solcherlei im Explorationsgewerbe nicht ungewöhnlich sei. Das höre von selbst wieder auf.Nichts hörte von selbst auf. Aus der stinkenden Schlammpfütze wurde eine stinkende Lache, aus der Lache ein Teich, aus dem Teich ein See. Die Leute fingen an, sich mit Sandsäcken zu schützen, doch der Modder stieg weiter.Plötzlich, eines Nachts, kroch der heiße Dreck erstmals in die Häuser der Menschen. Seither spielt sich im Osten Javas, nur 30 Kilometer von Indonesiens zweitgrößter Millionenstadt Surabaya entfernt, ein einzigartiges Drama ab, und niemand hat eine Vorstellung davon, wie und vor allem wann es enden wird.
Unter dem Druck mächtiger Gesteinsschichten entleert sich ein gigantischer unterirdischer Moddersee; eine Sintflut aus kochendem Matsch ergießt sich auf das flache Land. Mitten in dichtbesiedeltem Gebiet ist ein sogenannter Schlammvulkan entstanden - vom Ausstoß her der wohl größte der Welt und auch der erste, der vielleicht von Menschen ausgelöst worden ist.Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat Sidoarjo zum Katastrophengebiet erklärt. Aus Jakarta fliegen die Minister ein, Krisenstäbe tagen, die Vereinten Nationen haben Experten entsandt. Die Armee ist mit 1400 Mann und schwerem Gerät aufmarschiert.Die Bilanz bisher: 20 Fabriken sind untergegangen, 15 Moscheen, ein Friedhof, 18 Schulen. Die Autobahn nach Bali ist an dieser Stelle nicht mehr befahrbar, nur noch wenige Meter trennen eine wichtige Bahnstrecke vom Schlamm. Die Behörden haben acht Dörfer für vollkommen oder teilweise unbewohnbar erklärt. Mehr als 12 000 Menschen wurden evakuiert - und das ist nur der Anfang.
Jeden Tag erklimmen Anwohner und Flüchtlinge einen der rasch erbauten Dämme, sie schimpfen auf Lapindo und staunen. Wie ein Gespenst wabert eine 50 Meter hohe Fahne aus tosendem Wasserdampf über der Stelle, die bis vor kurzem ein normales Reisfeld war. Jetzt klafft da ein Krater von mindestens 20 Meter Durchmesser. Es blubbert, es gurgelt, manchmal kracht es, pausenlos spritzt, suppt und klatscht pechschwarzer Dreck hervor. Es stinkt wie auf einer Müllhalde, manchmal mischen sich Petroleumgerüche hinzu. Vereinzelt steigen auch größere Mengen von Schwefelwasserstoff auf, dann riecht es plötzlich nach faulen Eiern. (...) Nun fragt sich: wohin mit dem Zeug? Ein Gebiet fast so groß wie der bayerische Königssee hat das wütend spuckende Erdloch bereits mit glitschigem Schlamm bedeckt, an manchen Stellen ist der Pfuhl mehr als zwölf Meter tief. Würden die Indonesier nicht mit mehr als 1000 Mann, Baggern, Planierwalzen und Lkw rund um die Uhr neue Deiche bauen, wären schon viel mehr Dörfer untergegangen.Doch mit jeder Stunde werden die Probleme ernster. Ein grauhaariger Bauingenieur dirigiert eine Kolonne von Kipplastern. Sie bringen Erde heran für einen neuen Damm. "Was wir hier machen", sagt er, "ist auf der ganzen Welt noch nicht versucht worden: Es gibt keinen Präzedenzfall."Langsam gehen den Krisenmanagern die Optionen aus. Anfangs versuchten sie das Leck im Boden einfach zuzubetonieren - vergebens. Dann wollten sie den Schlamm per Lkw abtransportieren, doch schon bald landete dafür viel zu viel Matsch an. Als Nächstes kamen sie darauf, gewaltige Auffangbecken zu bauen. Doch bisher sind sie alle - fast 500 Hektar - binnen kurzer Zeit vollgelaufen. Hastig arbeiten sie jetzt an einem extrastarken Damm, den der altgediente Bauingenieur als "letzten Verteidigungsring" bezeichnet. Es gehört viel Optimismus dazu, zu glauben, dass das letzte Bollwerk nicht auch bald überflutet wird. (...)
Lapindo hat erst Verantwortung übernommen, als die indonesische Polizei Gerät der Firma beschlagnahmt und Ermittlungen eingeleitet hat gegen neun Verantwortliche. Per Dekret hat Präsident Yudhoyono die Firma für haftpflichtig erklärt. Sie soll jetzt für alle Folgen des Schlammvulkans aufkommen, die betroffenen Firmen und Anwohner entschädigen und sie umsiedeln. Der Schaden wird auf mindestens 250 Millionen Dollar geschätzt. Politisch ist der Streit um Entschädigung brisant. Denn die Unglücksfirma gehört zum Firmenkonglomerat der Milliardärsfamilie Bakrie. Einer ihrer Sprösslinge - der "koordinierende Sozialminister" Aburizal Bakrie - sitzt mit im Kabinett. Er hat dem Präsidenten den Großteil seines Wahlkampfes bezahlt. Jetzt warten die Indonesier gespannt, ob Yudhoyono seinen Gönner tatsächlich zur Kasse bittet. (...)."
(Quelle: http://www.spiegel.de/dertag/pda/avantgo/artikel/0,1958,442171,00.html, abgerufen am 5.12.2008)
Fuer uns machte sich die ganze Geschichte wie folgt bemerkbar. Da ein Teil des Highways wegen des Schlamms nicht mehr befahrbar ist, ended der Highway einfach frueher und man faehrt auf eine Art Landstrasse. Weil auf dieser offensichtlich oefters Proteste der Anwohner gegen die Oelbohrfirma Lapindo Brantas stattfinden, war diese komplett gesperrt. Und so fuhren wir, wie hunderte andere Auto auch, durch andere Doerfer der Gegend um die Schlammkatastophengegend zu umgehen. Diese einst ruhigen Doerfer mit kleinen Strassen, bekommen also nun grosse Teile des Highway-Verkehrs ab. Nicht genug damit also, dass sie auf einen haesslichen Damm gucken, gefuellt mit Schlamm, der ihre Felder verschlungen hat und aus welchem jetzt ab und zu giftige Gase austreten - nein, jetzt bekommen sie auch noch die kompletten Autoabgase direkt ins Wohnzimmer gepustet und von dem Laerm der Fahrzeugmengen wahrscheinlich bald Hoerschaeden. Da helfen leider auch die paar Cent Einnahmen nichts, die den Autofahrern ca. alle 500 Metern auf freiwilliger Basis abverlangt werden...
Also wir weiterfuhren kamen wir an langen, dicken Rohrleitungen vorbei und unser Guide erklaerte uns, dass damit der Schlamm abgepummt wird. Und wohin soll's gehen? Klar, gleich in den naechsten Fluss, der nun voellig verschlammt... wo ist hier bitte die Weitsicht?

Wen's interessiert: hier einige Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlammvulkan_auf_Java

*** Just the story about the mudflow catastrophe in Sidoarjo, close to Surabaya in East Java, which we passed on our way to Gunung Bromo. More infos: http://mudflow-sidoarjo.110mb.com/ ***

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