

Schon als wir Marlon vor 6 Wochen auf der Ripcurl-Party kennenlernten, lud er uns sofort zu seiner Hochzeit ein. Wir hatten das irgendwie dann ein bisschen vergessen, bis es 2 Tage vorher hieß: Ach ja, ihr solltet natürlich möglichst

in traditionellen Outfits erscheinen. Ach ja. Wie schön. Daraufhin verbrachten wir mehr als einen ganzen Tag damit, diese traditionelle Kleidung – nicht zu kitschig, in unseren Groessen, und irgendwie auch für europäische Figuren passend – aufzutreiben. Mir gelang dieses nur in letzter

Minute (wie immer), indem ich mir ein Oberteil extra schneidern ließ. Nancy passte irgendwie auch so in balinesische Groessen.
Frühmorgens holten wir dann unseren Freund Adi ab und machten uns auf nach Gianyar in ein kleines Dorf, wo die Zeremonie stattfinden sollte. Offiziell begann die Veranstaltung schon ab 8 Uhr (!), aber wir kamen eher so gegen 10:30 Uhr an, da Adi’s Schwestern uns erst beim richtigen Anziehen hatten helfen müssen. Wir betraten

einen unglaublich bunt und reich geschmückten Festplatz, in der Mitte eine Art Altar-Pavillion, in dem der Priester Zeremonien durchführte und unzählige Opfergaben aufgebaut waren. Ein ganzer Opfergabenturm war nicht wie normal aus Obst, Reiskuchen oder Blumen gebastelt, sondern bestand komplett aus Schweineteilen: Fleischspießchen, Bauchspeck, Kopf und Fettgarnierung, wie lecker.

Durch unsere Verspätung hatten wir die „Zahnschneide-Zeremonie“ leider grad verpasst, bei welcher wohl die Zähne des Brautpaares „gerade gefeilt“ werden. Wir waren uns auch nicht so sicher gewesen, ob wir das hätten sehen wollen. So erhielten wir bei Ankunft erstmal Snacks

und ein Getränk und durften uns irgendwo hinsetzen – man saß nämlich einfach überall: auf Stühlen, Steinen oder Matten. Eine Hochzeits-Zeremonie verläuft in Indonesien viel zwangloser als in Deutschland. Jeder sitzt einfach rum und quatscht, während bestimmte Frauen bestimmte Zeremonien durchführen, während der Priester, mit und ohne Brautpaar bestimmte Zeremonien durchführt und während die Gäste einfach irgendwie rumsitzen,

schwitzen, sich Luft zu fächern, was trinken oder essen. Gegessen wird nämlich nicht zusammen und schon gar nicht an einem Tisch oder so. Sondern jeder holt sich etwas zu Essen vom traditionellen Buffet (lecker!), wenn ihm grade danach ist. Hinter einer Bambuswand ist eine Küche aufgebaut, in der viele Leute beschäftigt sind immer wieder das Buffet aufzufüllen und dabei enorm viel Rauch produzieren (wahrscheinlich von den gegrillten Sate-Spiesschen), der sich fast über

den ganzen Zeremonienplatz ausbreitet. Man sagte uns, dass die traditionellen Zeremonien an diesem Tag besonders lange dauerten, da die Braut, die eigentlich aus dem muslimischen Java kommt, erst zum Hinduismus übergetreten war und so Extra-Zeremonien notwendig waren. Diese

fanden vor allem mit dem Brautpaar, den Schwestern und Eltern des Bräutigams statt, die ja auch Hindus waren und unglaublich prachtvoll gekleidet
waren. Besonders interessant war diese Hochzeit auch, da Marlons Vater mittlerweile mit einer Schwedin verheiratet ist, in Schweden lebt und die beiden dort zusammen auch noch mal 3 Kinder haben, welche auch noch Freunde mitgebracht hatten. Insgesamt also ein sehr gemixtes Publikum.


Teil 2 der Hochzeit fand dann drei Tage später mit der „Reception“, also dem Empfang in einem

Gartenrestaurant in Denpasar statt, bei der man in westlich-schicken Klamotten erscheinen durfte. Hierzu waren so ziemlich alle Bekannten des Hochzeitspaares eingeladen und wie wir feststellten, ging es bei diesem Empfang vor allem ums Essen. Diesmal aber in modern-schicken Klamotten.

Nachdem wir uns ins rosa Gästebuch eingetragen hatten und ein rosa Andenken –Portemonnaie geschenkt hatten, bekamen wir mal wieder Snacks und Getränke und durften uns irgendwo hinsetzen. Hey, das kam

uns irgendwie bekannt vor. Diesmal waren aber mehr Freunde aus Adi’s und Marlon’s Clique dort, die wir auch kannten. Nachdem ca. 150 Gäste angekommen waren, trat das Brautpaar glamourös auf und mit ihnen… der Regen. (Wer heiratet auch in der Regenzeit?) Nachdem sie ca. ½ Stunde im Regen gesessen hatten und alle Gäste da waren, bildete sich eine riesige Schlange -

um dem Brautpaar zu gratulieren, was jeder (!) Gast tat - , die sich gleich darauf in die Buffet-Schlange verwandelte. Hmmm, und das Essen war richtig lecker und jeder bediente sich reichlich. Nach dem

Essen machte dann jeder noch ein Foto mit dem Brautpaar, das wieder einmal ihr Dauerlaecheln trainieren musste und dann ging’s auch schon nach Hause. Für viele zumindest. Wir blieben noch ein bisschen länger und beobachteten die Feier... Rochdi verstand sich ganz prima mit der Hochzeitsplanerin (siehe Foto). Irgendwie alles so ganz anders als auf deutschen Hochzeiten und irgendwie auch wieder nicht.
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